Medizinische Richtlinien für HPV- und Gebärmutterhalskrebs-Screening

Der HPV-Test in Verbindung mit einem Pap-Test wird immer häufiger als Routineuntersuchung eingesetzt und wird in klinischen Richtlinien anerkannt, die von den wichtigen medizinischen Organisationen entwickelt wurden, darunter die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG), die American Cancer Society (ACS), die Association of Reproductive Health Professionals (ARHP) und die American Society for Colposcopy and Cervical Pathology (ASCCP).

DGGG-Richtlinie

Die DGGG empfiehlt den digene HPV Test bei unauffälliger Zytologie als Ergänzung des zytologischen Primärscreenings ab dem 30. Lebensjahr.

Im Einzelnen ergeben sich laut der aktuellen Leitlinie folgende mögliche Abweichungen von der bisherigen Früherkennungsuntersuchung:

  • HPV-Test (HC2) plus konventionelle Zytologie mit einem verlängerten Intervall für Frauen ab dem 30. Lebensjahr (Intervall zwei bis fünf Jahre);
  • HPV-Test (HC2) plus Flüssigzytologie mit einem verlängerten Intervall für Frauen ab dem 30. Lebensjahr (Intervall zwei bis fünf Jahre);
  • Flüssigzytologie statt konventioneller Zytologie ab 20. Lebensjahr mit zweijährigem Intervall;
  • Computerassistenz in der Zytologie.


Bei der Diagnostik auffälliger Abstriche sind folgende Indikationen für den HPV-DNA-Nachweis validiert:

  • HC2-HR-Nachweis bei minimalen zytologischen Auffälligkeiten (Pap IIw) oder erstmaligem Pap IIID oder Pap III ohne Verdacht auf eine höhergradige glanduläre Atypie;
  • HC2-HR-Nachweis oder PCR nach invasiver Therapie. Bei negativem HPV-Test sechs Monate oder mehr nach der Therapie sind neoplastische Residuen mit hoher Sicherheit ausgeschlossen;
  • Der Nachweis von HPV-16 oder -18 mittels HC2-Test oder PCR identifiziert Frauen mit erhöhtem Risiko für eine Progression zu CIN 3.


Weitere Informationen finden Sie hier.



ACOG Practice Bulletin No. 109: “Cervical Cytology Screening”, Dezember 2009

Im Dezember 2009 veröffentlichte das American College of Obstetricians and Gynaecologists (ACOG) in Obstetrics & Gynecology das Practice Bulletin Nr. 109: “Cervical Cytology Screening” . Diese Bulletin bietet einen Überblick über den aktuellsten Stand der Wissenschaften im Hinblick auf die Vorsorge für einen optimalen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs.



Castle, Philip E. et al.; Five-Year Experience of Human Papillomavirus DNA and Papanicolaou Test Cotesting; Obstetrics & Gynecology: März 2009 – Jg. 113 – Ausgabe 3 – S. 595-600

Diese im Jahre 2009 in Obstetrics and Gynecology (auch bekannt als "The Green Journal") veröffentlichte Studie wurde erstellt, um in einem breit angelegten Screening von Frauen ab 30 mit Altersgruppen im Abstand von 5 Jahren diejenigen auszuwerten, deren Pap-Abstrich auffällig oder deren HPV-Test positiv war. Die Daten zeigen, dass in einer statistisch relevanten Screening-Gruppe Bedenken über eine übermäßig hohe Zahl an positiven HPV-Testergebnissen bei Frauen ab 30 nicht bestätigt werden.

Artikel im Green Journal



Wright, T. et al. 2006 consensus guidelines for the management of women with abnormal cervical cancer screening tests. American Journal of Obstetrics & Gynecology 2007; 197(4):346-355.

Diese von 146 Experten als Vertreter von 29 Organisationen entwickelten, aktualisierten Richtlinien enthielten mehrere Empfehlungen zur Regelung der Gebärmutterhalskrebsvorsorge:

  • Ein HPV-Test ist das bevorzugte Nachuntersuchungsverfahren für Frauen im Alter von 20–30 mit ASC-US-Zytologie. Wenn der Test zeigt, dass sie kein HPV haben, wird ein wiederholter Pap-Test nach 12 Monaten empfohlen. Wenn HPV vorhanden ist, ist eine Kolposkopie der nächste Schritt.

    Für Mädchen unter 20: Die Richtlinien stellen fest, dass HPV-Tests bei Jugendlichen aus keinem Grund gerechtfertigt sind. Junge Mädchen und Frauen mit ASC-US-Zytologie sollten nach 12 Monaten erneut einen Pap-Test durchführen lassen. Zu diesem Zeitpunkt sollten nur diejenigen mit einer Zytologie von HSIL oder darüber zur Kolposkopie überwiesen werden. Bei der Nachuntersuchung nach 24 Monaten sollten Mädchen mit Zytologieergebnissen von ASC-US oder darüber zur Kolposkopie überwiesen werden.

  • Ein routinemäßiger HPV-Test zusammen mit einem Pap-Test ist vorteilhaft für das Screening von Frauen ab 30.

    Abhängig von den Testergebnissen werden die unten aufgeführten nächsten Schritte empfohlen:

    Normaler Pap-TestASC-US Pap-TestAbnormaler Pap-Test
    Kein HPV Screening mit HPV- und Pap-Tests alle drei Jahre wiederholen. Pap-Test nach 12 Monaten wiederholen Kolposkopie
    HPV HPV- und Pap-Tests nach 12 Monaten wiederholen. Wenn einer der beiden Tests dann abnormal ist, ist eine Kolposkopie gerechtfertigt. Kolposkopie Kolposkopie


Centers for Disease Control and Prevention, "Human Papillomavirus: HPV Information for Clinicians,". April 2007.

Im April 2007 haben die CDC eine Broschüre mit dem Titel „HPV-Informationen für Ärzte“ veröffentlicht. Sie bietet folgende Richtlinien an:
  • Mädchen und junge Frauen: Das Advisory Committee on Immunization Practices empfiehlt die Verabreichung des HPV-Impfstoffs an Mädchen und junge Frauen von 11–26 Jahren und stellte fest, das sie schon Mädchen mit nur 9 Jahren verabreicht werden kann.

    Idealerweise sollte der Impfstoff verabreicht werden, bevor ein Mädchen sexuell aktiv wird und damit in Kontakt mit HPV kommt. Wenn der Impfstoff danach verabreicht wird, schützt er das Mädchen nur gegen die HPV-Typen, denen es noch nicht ausgesetzt war. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob zu einem späteren Zeitpunkt im Leben eine Auffrischimpfung erforderlich ist.

    Auf jeden Fall ist unabhängig davon, ob und wann eine Impfung stattfindet, immer noch ein Screening auf Gebärmutterhalskrebsrisiko nötig, da der vom HPV-Impfstoff gebotene Schutz unvollständig ist.

  • Frauen jeden Alters: Regelmäßige Pap-Tests sollten drei Jahre nach dem ersten Geschlechtsverkehr oder spätestens mit 21 beginnen. Die CDC erkennen an, dass mehrere führende medizinische Organisationen – darunter das American College of Obstetricians and Gynecologists, die American Cancer Society und die American Society for Colposcopy and Cervical Pathology – die Verwendung des HPV-Tests zusammen mit dem Pap-Test für Frauen ab 30 gutheißen.

www.cdc.gov/STD/Hpv/hpv-clinicians-brochure.htm

ACOG Praxisbroschüre Nr. 66, "Management of Abnormal Cervical Cytology and Histology: Clinical Management Guidelines for Obstetrician–Gynecologists." September 2005.

Im September 2005 gab die ACOG eine Praxisbroschüre mit dem Titel „Management of Abnormal Cervical Cytology and Histology“ heraus. Ergänzend zu Hintergrundinformationen über zytologische und histologische Befunde und deren Interpretation beschreibt das Dokument, wie HPV-DNA-Tests verwendet werden können, um Patientinnen mit unterschiedlichen Stufen von Zervix-Abnormitäten zu behandeln. Eine im April 2005 veröffentlichte ACOG-Praxisbroschüre über HPV berichtete, dass HPV-Tests zum Nachweis von präkanzerösen Zellen und Zervixkarzinom „empfindlicher als die Zervix-Zytologie“ sind. Sie stellte außerdem fest, dass die Kombination von HPV-Tests mit Zytologie „einen negativen Vorhersagewert für CIN 2 und CIN 3 von 99 bis 100 Prozent“ besitzt, und argumentierte, dass „aufgrund der höheren Empfindlichkeit von HPV-DNA-Tests im Vergleich zur Zervix-Zytologie Frauen mit negativen Ergebnissen bei beiden Tests versichert werden kann, dass ihr Risiko für eine nicht festgestellte CIN 2 und CIN 3 oder Zervixkarzinom bei etwa 1:1000 liegt“.

Im Hinblick auf die Bedeutung der Testergebnisse auf das Patientenmanagement erkannte die ACOG die 2004 veröffentlichten Interimrichtlinien für die Patientenbehandlung (siehe unten) an, die empfahlen, dass Frauen über 30 mit Hochrisiko-HPV, jedoch negativer Zytologie „beide Tests nach 6-12 Monaten wiederholen lassen sollten“, sowie dass Frauen mit persistierendem HPV bei wiederholten Tests „sich unabhängig vom Zytologie-Ergebnis einer Kolposkopie unterziehen sollten“.



ACOG Practice Bulletin No. 61, "Human Papillomavirus. Clinical Management Guidelines for Obstetrician–Gynecologists." April 2005.

Im April 2005 veröffentlichte das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) eine Praxisbroschüre, in der HPV-Tests als „empfindlicher als Zervix-Zytologie“ für den Nachweis von präkanzerösen Zellen (CIN 2/3) und Zervixkarzinom anerkannt wurden. Die Broschüre gab folgende „Stufe A“-Empfehlung:

  • „Da HPV-DNA-Tests beim Nachweis von CIN 2 und CIN 3 empfindlicher als die Zervix-Zytologie sind, kann Frauen mit negativen Ergebnissen bei beiden Tests versichert werden, dass ihr Risiko für eine nicht festgestellte CIN 2 und CIN 3 oder Zervixkarzinom bei etwa 1:1000 liegt.“

  • „Studien unter Verwendung einer Kombination von HPV-Tests mit Zervix-Zytologie haben einen negativen Vorhersagewert für CIN 2 und CIN 3 von 99 bis 100 Prozent berichtet.“

Als Unterstützung dieser Schlussfolgerungen zitierte die Praxisbroschüre eine Studie, in der 100 Prozent kanzeröser Läsionen mit HPV-DNA-Tests entdeckt wurden, im Vergleich zu 58 Prozent mit konventioneller Zytologie und 84 Prozent mit flüssigkeitsbasierten Pap-Tests. „Selbst neuere Zytologietechniken auf Flüssigkeitsbasis können 15–35 Prozent von zervikaler intraepithelialer Neoplasie (CIN) 3 oder Krebs übersehen. Dies hat wichtige medizinische Implikationen und hat ein erhebliches Interesse an der Entwicklung empfindlicherer Screening-Hilfsmittel ausgelöst“, berichtete die ACOG-Broschüre.

Als „Stufe C“-Leitlinie besprach die Broschüre die Integration der Testergebnisse in das Patientenmanagement, unter Anerkennung der Interim-Richtlinie 2004 der NIH/ASCCP/ACS und Wiederholung der Empfehlungen, dass „Frauen über 30 mit einem negativen Zytologie-Ergebnis und positiven Testergebnissen für Hochrisiko-HPV-DNA beide Tests nach 6–12 Monaten wiederholen lassen sollten. Diejenigen mit persistierendem HPV (bei Wiederholungstests) sollten sich unabhängig vom Zytologie-Ergebnis einer Kolposkopie unterziehen.“



Wright, T. et al. Interim Guidance for the Use of HPV DNA Testing as an Adjunct to Cervical Cytology for Screening. Obstet and Gynecol 2004; 103:304–9.

Diese 2004 in Obstetrics and Gynecology (auch bekannt als „The Green Journal“) veröffentlichte Leitlinie wurde während eines von den NIH, der ASCCP und ACS unterstützten Workshops entwickelt. Sie bot Medizinern erstmals eine Anleitung für die Behandlung von Frauen mit verschiedenen Pap- und HPV-Testergebnissen. Die Leitlinie stellte fest, dass Frauen mit negativer/normaler Zytologie, die positiv für Hochrisiko-HPV sind, ein relativ geringes Risiko einer hochgradigen Zervix-Neoplasie haben, und sprach sich deshalb gegen die Durchführung einer Kolposkopie aus, wenn nicht ein erneuter Test nach 6 bis 12 Monaten eine persistierende Infektion zeigte. [Beachten Sie, dass die ASCCP seit Oktober 2007 jetzt einen erneuten Test nach 12 Monaten empfiehlt.] 



ARHP Clinical Proceedings, "Advances in Cervical Cancer Prevention." September 2003.

Im September 2003 veröffentlichte die ARHP ein Dokument mit dem Titel „Clinical Proceedings: Advances in Cervical Cancer Prevention“, das die Verwendung von Hochrisiko-HPV-Tests in Verbindung mit Zytologie bei Frauen ab 30 beschrieb. (In der Zwischenzeit hat die ARHP eine Sonderausgabe ihres Magazins Health & Sexuality veröffentlicht, die sich nur mit HPV befasst.)



ACOG Practice Bulletin No. 45, "Cervical Cytology Screening. Clinical Management Guidelines for Obstetrician–Gynecologists." August 2003.

Die FDA hat den digene HPV Test (zuerst als DNAwithPap® Test eingeführt) für das primäre ergänzende Screening zusammen mit einem Pap in den USA bei Frauen ab 30 zugelassen. Im Juli 2003 gab die ACOG eine Praxisbroschüre für das Zervix-Zytologiescreening heraus. Sie enthielt eine Anleitung für die kombinierte Verwendung eines Pap-Test und des von der FDA zugelassenen Hochrisiko-HPV-Tests für Frauen ab 30:

Für Frauen ab 30 gibt es zwei akzeptable Screeningoptionen:

  • Test nur mit Zervix-Zytologie: Wenn eine Frau bei drei jährlichen Pap-Tests in Folge negative Ergebnisse hat (und keine anderen „disqualifizierenden“ Charakteristika), sollte sie alle zwei bis drei Jahre nur mit Zytologie erneut untersucht werden.

  • Kombinierte Verwendung von Zytologie und HPV-DNA-Screening: Wenn Frauen bei beiden Tests negative Ergebnisse haben, sollten sie nicht häufiger als alle drei Jahre erneut untersucht werden. Beachten Sie, dass die ACOG, da der digene HPV Test zum Zeitpunkt der Herausgabe dieser Richtlinien noch nicht für das primäre ergänzende Screening zugelassen war, feststellte, dass diese Empfehlung auf „limitierten und inkonsistenten wissenschaftlichen Nachweisen“ basierte.



Saslow D, et al. American Cancer Society Guidelines for the Early Detection of Cervical Neoplasia and Cancer. CA Cancer J Clin 2002; 52:342–362.

Die im November 2002 veröffentlichten Richtlinien der American Cancer Society empfahlen Medizinern, eine Kombination von Zytologie und Hochrisiko-HPV-DNA-Tests für das Zervixkarzinom-Screening bei Frauen ab 30 zu erwägen, abhängig von der FDA-Zulassung (die 2003 folgte).

Die ACS-Richtlinien stellten fest, dass ein „HPV-DNA-Test eine größere Empfindlichkeit als Zytologie für den Nachweis klinisch relevanter Läsionen hat“ und dass der „hohe negative Vorhersagewert, der aus gleichzeitigem Screening mit Zytologie und HPV-DNA-Tests resultiert, eine sichere Verlängerung der Screening-Intervalle erlaubt und dadurch Kosten senkt.“

Die Richtlinien besagten außerdem: „Es wäre vernünftig, zu berücksichtigen, dass für Frauen ab 30 als Alternative zu Zytologietests der Zervix allein ein Zervix-Screening alle drei Jahre unter Verwendung konventioneller oder flüssigkeitsbasierter Zytologie kombiniert mit einem Test für DNA aus Hochrisiko-HPV-Typen durchgeführt werden kann.“



Wright T.C., et al. 2001 Consensus Guidelines for the Management of Women with Cervical Cytological Abnormalities. JAMA 2002;287: 2120–29.

2001 gab die American Society for Colposcopy and Cervical Pathology (ASCCP) die ersten evidenzbasierten, nationalen Praxisrichtlinien für die Behandlung von Patientinnen mit abnormalen Pap-Ergebnissen heraus. Die Konsensus-Richtlinien dieser Organisation aus dem Jahre 2001 wurden mit Beiträgen von 29 führenden medizinischen Organisationen entwickelt, darunter das National Cancer Institute, die Centers for Disease Control and Prevention und die American Cancer Society. Etwa ein Jahr später erfolgte die FDA-Zulassung des digene HPV-Tests, der zu dieser Zeit als der Hybrid Capture® 2 (hc2) High-Risk HPV DNA Test® für die Triage von ASC-US Pap-Testergebnissen bekannt war.

Die Konsensus-Richtlinien stellten fest, dass beim Management von Frauen mit ASC-US Pap-Testergebnissen ein HPV-Test der „bevorzugte Ansatz“ ist, wenn sie direkt mit einer flüssigkeitsbasierten Pap-Abstrichprobe („Reflex“-HPV-Test) durchgeführt oder wenn während des ersten Praxistermins eine separate Probe für den HPV-Test entnommen werden kann.